Auftaktveranstaltung: Krisen, Katastrophen und Konflikte.

Naturkatastrophen, hybride Bedrohungen und die veränderte sicherheitspolitische La-ge in Europa stellen Wirtschaft und Gesellschaft vor neue Herausforderungen. Wie sich Unternehmen in der Region Neumünster konkret schützen und ihre Resilienz stärken können, stand im Mittelpunkt der gestrigen Auftaktveranstaltung in der Kreishandwer-kerschaft Mittelholstein. Diverse Vertreter aus Handel, Politik, Verwaltung, Industrie und Zivilgesellschaft diskutierten gemeinsam mit Experten über den „Operationsplan Deutschland“ und seine Bedeutung für die Region.

Sicherheit als Gemeinschaftsaufgabe

Den Impuls des Abends setzte Oberst Michael Skamel, Kommandeur des Landeskommandos Schleswig-Holstein. Er erläuterte die Kernziele des Operationsplan Deutschlands, der die Verteidigung der Bundesrepublik im Ernstfall regelt und dabei der privaten Wirtschaft eine Schlüsselrolle zuweist. „Deutschland fungiert in der Landes- und Bündnisverteidigung als logistische Drehscheibe für die Streitkräfte der NATO“, so Oberst Skamel. „Dies vorzubereiten und zu unterstützen ist eine gesamtstaatliche und gesamtgesellschaftliche Aufgabe. So benötigen wir auch die Leistungen von Industrie und Wirtschaft, um logistische Fähigkeiten sicherzustellen, die wir nicht ausreichend zur Verfügung haben.“

In der anschließenden Expertenrunde wurde deutlich, dass die Versorgungssicherheit in der Region nur im Netzwerk funktioniert. Michael Knapp (Erster Stadtrat der Stadt Neumünster) und Jörg Rudat (Unternehmensentwicklung HanseWerk AG) unterstrichen die Bedeutung robuster lokaler Infrastrukturen. Michael Knapp: „Sicherheit in der Krise ist Teamarbeit. Nur wenn Behörden, lokale Wirtschaft und die verantwortlichen Personen ein gemeinsames Verständnis erarbeiten, bleiben wir im Ernstfall handlungsfähig.“ Holger Matzen (Voigt-Logistik) verdeutlichte die kritische Rolle der Logistik: „Es geht nicht nur um LKW auf der Straße, sondern um die Aufrechterhaltung der gesamten Versorgungskette unter Stressbedingungen.“

Mensch und Wirtschaft im Blick

Einen besonderen Fokus legte die Runde auf den Schutz vulnerabler Gruppen. Gesa Kitschke (Diakonie Altholstein) und Torsten Geerdts (Präsident des DRK Schleswig-Holstein) betonten, dass Resilienz im Unternehmen auch bedeutet, die soziale Verantwortung in der Krise mitzudenken. Einigkeit herrschte darüber, dass Eigenvorsorge die Basis für kollektive Sicherheit ist. Gesa Kitschke: „Zeit zählt. Einsatzkräfte müssen insbesondere vulnerable Personengruppen priorisieren und über die besonderen Bedarfe dieser Kenntnis haben. Wer sich für diese Zeitspanne gut vorbereitet - schützt in der kritischen Phase insbesondere diese Personengruppen.“

Konkrete Hilfe für den Mittelstand

Die Teilnehmer zeigten sich neugierig und zugewandt. Als zentrale Werkzeuge für die praktische Umsetzung wurden zwei Ressourcen hervorgehoben:

  • Die Kampagne „KommKlar SH“: Diese sensibilisiert für die persönliche Vorsorge (z. B. 72-Stunden-Autarkie).
  • Der IHK-Krisenvorsorgeplan: Ein Leitfaden für kleine und mittlere Unternehmen, um Risiken systematisch zu identifizieren und Notfallpläne zu erstellen.

Generalmajor a. D. Bernd Diepenhorst, von der Deutsche Atlantische Gesellschaft e. V., der durch den Abend moderierte, fasste es prägnant zusammen: „Allein die verständliche Auseinandersetzung mit dem Thema gibt uns erste robuste Werkzeuge an die Hand. Jeder noch so kleine Baustein immunisiert uns.“

Ausblick: Die Reihe geht weiter

Die gestrige Auftaktveranstaltung eröffnete eine neue Veranstaltungsreihe. Gemeinsam mit  der Stadt Neumünster, Deutsche Atlantische Gesellschaft e.V., Oliver Dörflinger (Stadtrat a. D.) dem Unternehmensverband Mittelholstein e. V., der IHK Kiel (Geschäftsstelle Neumünster), der Wirtschaftsagentur Neumünster GmbH und der Kreishandwerkerschaft Mittelholstein rückt in den kommenden Monaten das Thema Krisenfestigkeit in den Mittelpunkt. Die Reihe beleuchtet gezielt Bereiche wie Recht, Vorsorge und Resilienz in Unternehmen.

Carsten Bruhn von der Kreishandwerkerschaft Mittelholstein, in deren Räumen die Auftaktveranstaltung stattfand, blickt nach vorne: „Krisenvorsorge ist keine Theorie, sondern gelebte Verantwortung für den eigenen Betrieb und die Region. Jetzt müssen wir erste Verbindungen stärken und das Netzwerk weiter ausbauen.“

Die nächsten Termine beginnen jeweils um 17 Uhr und finden statt am:

  • 22. Juli
  • 19. August
  • 30. September
  • 11. November
  • 3. Dezember

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Marek Frank

Leiter Unternehmensservice

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