Mit 400 kW in die Zukunft: E-Mobilität bei Voigt-Logistik

Voigt-Logistik gehört zu den Pionieren der grünen Logistik im Norden. Mit der Umstellung auf E-Mobilität und einer intelligenten Ladeinfrastruktur in Neumünster zeigt das Familienunternehmen, dass Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit keine Gegensätze sind. Innovationsökosysteme wie GATEWAY49 sind hier ein wichtiger Baustein. 

Schon von weiten ist das Logo sichtbar. Gelb auf grünem Grund. Leicht geneigt, so als wenn es nur kurz da ist, scheint den Branchenkern widerzuspiegeln: immer in Bewegung.  Wer heute den Betriebshof in Neumünster betritt, hört immer öfter: nichts. Wo früher Dieselmotoren brummten, gleiten nun lautlos die ersten vollelektrischen 40-Tonner über das Gelände. Es ist das hörbare Ergebnis einer Transformation und doch geht diese Veränderung weit über den Austausch von Fahrzeugen hinaus. Mit mehr als 100 eigenen Lkw und über 500 Mitarbeitenden verbindet Voigt-Logistik Schleswig-Holstein mit der Welt. Nun geschieht dies zunehmend emissionsfrei.

Voigt-Logistik

  • Gründung

    1933

  • Mitarbeitende

    500+

  • Branche

    Logistik und Warenwirtschaft

Tätigkeitsfeld

  • Kunden

    Produzierendes Gewerbe

  • Dienstleistung

    Nationale und internationale
    Transport- und Logistik-
    dienstleistungen

  • Besonderheit

    Klimaneutrale Transporte

Regional vernetzt: Der direkte Draht für die schrittweise Dekarbonisierung

Seit Jahren testet Voigt-Logistik alternative Antriebe. Nach ersten Versuchen mit regionalem Wasserstoff (FCEV) setzt das Unternehmen nun verstärkt auf vollelektrische Zugmaschinen (BEV). Ein weiterer Meilenstein wurde im Januar 2025 auf einer Branchenveranstaltung gelegt. Dort traf Hannes Voigt, der das Unternehmen in vierter Generation führt, auf das Team von IO-Dynamics „Wir suchten nach Lösungen, wie wir dekarbonisieren können, ohne die Wirtschaftlichkeit zu gefährden“, erinnert sich Hannes Voigt. Was mit einem Vortrag beim GATEWAY49 Clusterday Logistik von IO-Dynamics über intelligentes Flotten- und Lademanagement begann, mündete nur wenige Wochen später in eine tiefgreifende Standortanalyse „Das Ergebnis war beeindruckend: Mit der heutigen Reichweite von E-Lkw und mit smarter Nutzung der Infrastruktur, sowie dem Einsatz von intelligentem Lademanagement, lassen sich bereits rund 80 % der üblichen Touren elektrifizieren. Der Stand der Technik ist weiter, als viele denken“, sagt Jan Humberg von IO-Dynamics. 

Dass dieser initiale Impuls so schnell in ein handfestes Projekt münden konnte, ist kein Zufall, sondern auch einem starken Gründungsnetzwerk zu verdanken. IO-Dynamics ist Teil von GATEWAY49, dem Startup-Accelerator in Schleswig-Holstein, der seit 2020 mit bis zu 20 StartUps jährlich gezielt Innovationen in Fokusbranchen wie Logistik und Erneuerbare Energien fördert. Mit Standorten u. a. in Lübeck, Flensburg und Neumünster vernetzt das Programm auch Gründungsteams mit etablierten Unternehmen der Region. Für Hannes Voigt war dieser direkte Draht entscheidend. „Zusammenarbeit hat immer auch einen regionalen Fokus“, betont Hannes Voigt, „und gerade wenn man wichtige Stellschrauben im Geschäftsablauf anfasst, ist der regionale Faktor besonders wichtig.“ Das GATEWAY49 agiert hier als Katalysator, der die Agilität junger Tech-Firmen mit der Erfahrung des Mittelstands verbindet. Durch gezieltes Scouting und Matchmaking schafft der Accelerator Formate, die Innovationen regional verankern .

Hypercharger: Mehr als nur eine Steckdose

Statt kleiner Schritte entschied sich Voigt-Logistik für einen großen Schritt und investierte in eine hochmoderne Schnell-Ladeinfrastruktur. „Wenn man den Boden einmal in Bewegung setzt, warum dann klein denken?", lautete die Devise. Heute stehen auf dem Gelände leistungsstarke Hypercharger, die E-Lkw-Flotte mit bis zu 400 kW in anderthalb Stunden wieder vollladen können.

Doch die Hardware ist die halbe Lösung. Das Herzstück bildet ein intelligentes Flotten- und Lademanagement, bei dem die Plattform von IO-Dynamics die Ladevorgänge so orchestriert, dass alle E-Lkw pünktlich und optimal geladen für ihre nächste Tour bereitstehen. Die Software steuert den Prozess automatisch, nutzt günstige Stromtarife und bindet erneuerbare Energien ein. Jan Humberg: „Der Betrieb von E-Lkw muss einfach sein, ohne Ladestress oder manuelle Eingriffe. Das ist mit smarter Steuerung möglich“. 

Zur Softwaresteuerung kommt zurzeit die Mautbefreiung als weiterer Pluspunkt für E-Lkw-Flotten hinzu. „Sie ist ein zusätzlicher Hebel. In dieser Kombination ist der Betrieb schon heute wirtschaftlich“, bilanziert Hannes Voigt. So kann die Energiewende vom Kostentreiber zum Wettbewerbsvorteil werden. 

Der Logistiker als Energiedienstleister

Die Zusammenarbeit zwischen dem über 90-jährigen Traditionsunternehmen und dem Startup hat eine Dynamik geschaffen, die neue Geschäftsmodelle für Voigt-Logistik ermöglicht. Neben Waren rücken nun auch Daten und Stromflüsse in den Fokus. Mit Batteriespeichern im Megawatt-Stunden-Bereich und dynamischen Stromtarifen entwickelt sich Voigt-Logistik zum Energiedienstleister. „Vor drei Jahren hätten wir nicht gedacht, dass wir heute über Stromhandel nachdenken“, sagt Hannes Voigt. Auch IO-Dynamics profitiert von der Partnerschaft. „Die Anforderungen an einen reibungslosen Betrieb von E-Flotten in Transport und Logistik sind hoch. Genau darauf sind wir vorbereitet. Durch die enge Zusammenarbeit mit Unternehmen wie Voigt-Logistik gewinnen wir laufend neue Einblicke in spezifische Abläufe und entwickeln unsere Lösung gezielt weiter, aufbauend auf den bewährten Prozessen aus der Praxis“, erklärt Jan Humberg.

Die Zukunft rollt emissionsfrei

Der Ausblick ist ambitioniert: Bis Ende 2027 will Voigt-Logistik bis zu 30 Fahrzeuge elektrifizieren. Dabei bleibt der Mensch im Mittelpunkt. Die neue Technik muss für die Berufskraftfahrenden mindestens so komfortabel sein wie z.B. der Diesel, um Akzeptanz zu finden.

Mit mutigen Entscheidungen sichert Voigt-Logistik die Wettbewerbsfähigkeit von morgen. Lebendige Innovationsökosysteme wie das GATEWAY49 spielen dabei eine Schlüsselrolle. Hannes Voigt: „Wir werden auch in Zukunft Waren transportieren. Doch, jede Generation muss neue Antworten auf das Wie finden.“ Die vierte Generation hat ihre Antwort: elektrisch, grün, vernetzt.

Sie haben Fragen zum Wirtschaftsstandort?

Marek Frank

Leiter Unternehmensservice

+49 4321 6900108